Seminardauer: 32 Stunden
Status: frei
Beginn: 09.11.2012
Ende: 08.12.2012
Ort: Dölvesstr. 8, Bremen
Termine und Uhrzeit:
Fr 14:00 - 20.30
Sa 09:00 - 16:00
Teilnahmepreis: € 395,-
Erm. Teilnahmepreis: € 375,-
Lernmittelgebühr: € 0,-
Prüfungsgebuehr: € 0,-
Dozent/in:
Wiebke Scharff Rethfeldt
Ansprechpartner/in:
Norbert Gerwien
Tel.:0421 4499-748

Inhalt:
Seminar I
Im ersten Seminarteil wird ein Einblick in diverse Möglichkeiten der mehrsprachigen
Erziehung sowie über die bilinguale Sprachentwicklung gegeben, bevor im zweiten Seminar
Diagnostik- und Therapieansätze vordergründig behandelt werden. Vorgestellt werden u. a.
konkrete Beispiele aus dem bilingualen Spracherwerb auf phonetisch-phonologischer,
semantisch-lexikalischer und morpho-syntaktischer Ebene. Dieses Hintergrundwissen bildet
die Basis zum Verständnis typischer Aspekte der Mehrsprachigkeit, wie z. B. Codeswitching,
und damit die Voraussetzung zur Abgrenzung gestörter Sprachverarbeitungsprozesse vom
physiologischen Zweitspracherwerb.
Als ersten Schritt der ggf. indizierten sprachtherapeutischen Intervention wird das Bilinguale
Patientenprofil (Scharff Rethfeldt, 2005) vorgestellt, welches eine individuelle
Befunderhebung bei mehrsprachigen Patienten ermöglicht und auf dessen Basis die
spezifische Diagnostik durchgeführt werden kann (Inhalt des zweiten Seminars).
Interkulturelle Aspekte in der logopädischen Arbeit werden berücksichtigt. Ferner werden den
TeilnehmerInnen Ansätze zur Gestaltung des Erstkontaktes sowie zur qualitativen und
systemischen Beratung von Angehörigen mehrsprachiger Patienten vermittelt. Es wird
empfohlen, die praktischen Ansätze aus dem ersten Seminar in der eigenen Praxis
auszuprobieren, um mögliche Fragen hierzu im zweiten Seminarteil klären zu können.
Der Seminaraufbau soll den allmählichen Transfer der vermittelten Inhalte von der Theorie
bis zum konkreten Fall und so die Ableitung von Handlungsansätzen für den logopädischen
Alltag mit mehrsprachigen Patienten/Klienten ermöglichen.
Seminar II
Die Erfahrungen mit den Materialien und Erkenntnissen aus dem ersten Teil werden diskuteirt
und Argumentationsansätze für die logopädische Arbeit gegenüber Dritter (z. B. ÄrztInnen,
PädagogInnen) abgeleitet und formuliert. Der Zusammenhang zwischen Bilingualität und
Kognition inklusive metasprachlicher Vorteile bildet einen Themenschwerpunkt.
Unterschiedliche Interventionsmöglichkeiten, Sprachförderung bzw. Sprachtherapie, werden
diskutiert. Kommunikationsprobleme mehrsprachiger Kinder vor dem Hintergrund der
Migration (z. B. der Selektive Mutismus) sowie die Vorteile der Bilingualität bei
Beeinträchtigungen des Lernens finden ebenfalls Berücksichtigung.
Das diagnostische Vorgehen bei mehrsprachigen Kindern bildet einen Themenschwerpunkt.
Vorgestellt werden Ansätze und Möglichkeiten der logopädischen Diagnostik bei
unterschiedlichen Erstsprachen, die auch deutschsprachige TherapeutInnen umsetzen können.
Die dargestellte Methodik entspricht den internationalen Richtlinien der Diagnostik und
Therapie bei bilingualen Patienten (vgl. American Speech-Language and Hearing Association,
1985; International Association of Logopedics and Phoniatrics, 2006). Ferner wird anhand
unterschiedlicher Erstsprachen deren sprachstruktureller und soziokultureller Einfluss auf
kindliche Spracherwerbsprozesse gezeigt, welche bei der Interpretation von Sprachleistungen
im Rahmen einer Diagnostik berücksichtigt werden müssen. Ansätze für die Therapie werden
entsprechend abgeleitet. Konkrete Fallbeispiele diverser Kinder mit Migrationshintergrund
bei der Lösung spezifischer Aufgaben aus einem allgemeinen Sprachentwicklungstest runden
die Differenzierung zwischen physiologischer und gestörter Sprache ab.
Besonderheit:
Termin 1: 09. + 10.11.2012
Termin 2: 07. + 08.12.2012